Blog

Thursday, der 6. May 2021

Rückblick FIABCI Lunch vom 22. April 2021

In diesem Jahr konnte das ursprünglich in Bern geplante Lunch-Treffen von FIABCI-SUISSE leider nur als Online-Event durchgeführt werden. Corona zum Trotz hatten die FIABCI-Mitglieder wieder die Gelegenheit, zwei sehr interessanten Referenten zuzuhören, Fragen zu stellen und sich im Anschluss auch untereinander auszutauschen.

Andreas Binkert, Präsident der 2000-Watt-Smart-Cities Association, sowie Roland Hunziker, Direktor des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) zeigten mit ihren Vorträgen auf, welche Chancen sich der Bau- und Immobilienwirtschaft mit dem Einsatz energieeffizienter Lösungen im Gebäudebetrieb bieten. Dies vor allem hinsichtlich des Beitrages der Immobilienbranche zum nationalen CO2-Absenkpfad.

Andreas Binkert berichtete vom grossen Ziel «net zero» in der Nachhaltigkeitsdebatte und merkte an, dass vermutlich viele nicht wüssten, was das wirklich bedeute und wie man dahinkomme. Konkreter werde es dagegen, wenn man von dem Erreichen der 2.000-Watt-Gesellschaft spreche. Hier würden schon viele Projekte geplant und realisiert – doch der Weg zu wahrhaft nachhaltigen Smart Cities sei noch weit. Gegenwärtig befinde sich die Schweiz landesweit betrachtet auf dem 5.000-Watt-Verbrauchsniveau. Zum Vergleich: In der EU stehe man bei 6.000 Watt, Indien beispielsweise bei lediglich 800 Watt. Doch dort bewege man sich aufgrund von Bevölkerungswachstum, Technologisierung und Industrialisierung von der anderen Richtung auf die 2.000 Watt zu – und werde diesen Wert wohl nicht in allzu langer Zukunft – wie auch schon die ganze westliche Welt – überschreiten. Auch für die Entwicklung auf dem Subkontinent brauche es daher Strategien, nur eben andere als bei uns. Das Ziel der Schweiz sei die 2.000-Watt-Gesellschaft im Jahr 2035 – doch bis zum Erreichen dieser Marke bedarf es noch einiger Zusatzanstrengungen, so Binkert.

Für Roland Hunziker vom WBCSD ist ein emissionsfreier Gebäudepark das grosse Ziel. Sein Institut hat hierzu kürzlich den Bericht «Vision 2050 – Time to Transform» publiziert. Generell gebe es drei grosse Probleme bei den gesetzten Nachhaltigkeitszielen, so Hunziker. Dazu zählten soziale Ungleichheit, der Klimawandel und grundlegend auch die unterschiedliche Auslegung und Definition des Begriffes Nachhaltigkeit. Zu den wichtigen Schritten im Entwicklungsprozess benannte er die Schaffung einer sogenannten Zirkularwirtschaft, die Dekarbonisierung und den Erhalt der Biodiversität. Hinsichtlich dem bestehenden und neu zu erstellenden Gebäudepark zeigten sich darüber hinaus weitere Herausforderungen, wie etwa ambitionierte Klimaziele, die Verschmutzung in den Städten, zu wenig Inklusion in den Metropolen und der immense Ressourcenverbrauch. «Man muss sich nur vor Augen halten, dass wir global alle fünf Tage eine Fläche von Paris bebauen», so Hunziker. Problematisch sei auch, dass der Bausektor und die Immobilienwirtschaft zu den am wenigsten digitalisierten Sektoren gehörten. Hier gebe es Nachholbedarf. Was es in unserer Branche brauche sei eine «radikale Reduktion bei den grauen Emissionen». Schwierigkeiten bereite zudem die Fragmentierung der Bau- und Immobilienwirtschaft in viele einzelne Silos. Hier müsse ein Umdenken und Umlenken stattfinden.

Autor: Mathias Rinka

Datum: 30. April 2021

Allgemein